100 JAHRE HANDELSAGENTUR
Eine Stafette von drei Generationen, die unternehmerisch denken, ebenso handeln und die erforderliche Empathie und Ausdauer besitzen: eine Geschichte mit Seltenheitswert.
Der Start der Firma List fiel in eine wechselvolle Zeit, die durch politische und wirtschaftliche Unsicherheit gekennzeichnet war. Erst 1920 legte die Kärntner Volksabstimmung die Südgrenze Österreichs fest, 1921 kam das Burgenland als neuntes Bundesland zu Österreich und ein Jahr später trennten sich Wien und Niederösterreich. Doch auch die zur gleichen Zeit herrschende Hyperinflation konnte Karl List 1922 nicht von der Gründung einer Textilgroßhandelsfirma abhalten. Ebenso betätigte er sich als Handelsagent. Das bedeutete damals, den mit Mustern gefüllten Schrankkoffer mit dem Fiaker, der Bahn oder einem Pferdefuhrwerk an Ort und Stelle zu bringen und mit dem Kunden die vorbereiteten Bestellungen durchzuarbeiten. List muss ordentlich geackert haben, sonst wäre er in Fachzeitschriften nicht als „Pionier“ oder „ungekrönter König der Textilhandelsagenten“ bezeichnet worden. Bis 1956, also mehr als 30 Jahre lang, schweigt die Chronik.
Zu diesem Zeitpunkt fusionierte die Firma List mit einer anderen Größe des Textilgewerbes, der Firma Franz Jarolim. Damit kam die heutige Eigentümerfamilie in Person des Prokuristen F. Rupprecht sen. ins Spiel. Eine bahnbrechende wirtschaftspolitische Entscheidung bereitete zeitgleich den europäischen Aufschwung vor. 1957 ging es los mit der EWG (Europäische Wirtschaftsgemeinschaft). Die aus der Fusion hervorgegangene Karl List & Co. KG wurde schrittweise durch Fidelio Rupprecht sen. übernommen. 1960 führte das zu seiner alleinigen Inhaberschaft. Die Zeit der großen Textilmessen in Italien, Frankreich und Deutschland begann, und die Karl List & Co. KG glänzte durch ständige Präsenz auf der internationalen Textilbühne. Nicht verwunderlich, dass sich dieser Einsatz in beachtlichen Umsatzsteigerungen ausdrückte. Ab 1977 stand die nächste Generation nach Absolvierung der Fachausbildung dem Betrieb zur Verfügung: Fidelio Rupprecht jun., der heutige Inhaber.
Freizeit- und Jugendmode war sein Arbeitsschwerpunkt. Er repräsentierte die nächste Generation, die einen für das Unternehmen wesentlichen Schritt einleitete. Das Engagement des Juniorchefs führte dazu, dass ein europaweit bekannter und angesehener deutscher Hersteller überzeugt werden konnte, in Österreich eine Niederlassung zu gründen, basierend auf den administrativen, organisatorischen und vertriebstechnischen Möglichkeiten, die die Karl List & Co. KG zu bieten imstande war. Sie sollte der Ausgangspunkt für die Eroberung des Ostmarktes werden. Die Lauffenmühle Austria wurde gegründet, ein zweites Standbein der Karl List & Co. KG.
Rupprecht entwickelte sich zu einem Experten für die Oststaaten CSSR, Ungarn und Jugoslawien. Dieser Umstand war maßgeblich dafür, dass Lauffenmühle mit einem führenden amerikanischen Jeanserzeuger zusammenarbeiten konnte. Die großen Mengen Denim für die Konfektionsniederlassung in Jugoslawien, in der die Hosen für ganz Europa gefertigt wurden, kamen nicht mehr über den großen Teich, sondern von der Wiener Niederlassung Lauffenmühle. Neun Jahre nach seinem Eintritt in die väterliche Firma konnte sich Rupprecht 1986 über die Verleihung des Staatswappens an den Branchenleader Karl List & Co. KG freuen. Sechs Jahre später zog sich Rupprecht sen. nach einem erfolgreichen, aber auch fordernden Berufsleben zurück.
Fidelio Rupprecht jun. musste als neuer Alleininhaber den vielfältigen Veränderungen auf den europäischen Märkten die Stirn bieten. Der Fall des Eisernen Vorhangs hatte die Warenströme vom und nach dem Osten wesentlich beeinflusst. Jugoslawien war in seine Teilstaaten zerfallen. Häufig übernahmen ehemalige Direktoren ihre Firmen nun als Eigentümer, und es war verständlich, dass sie sich an die alten vertrauten Kontakte im Nachbarland Österreich hielten. Rupprecht war ein gesuchter Ansprechpartner und stellte in großer Zahl die Verbindung zwischen diesen Firmen und österreichischen Geschäftspartnern her. Einen weiteren Schub bedeutete der Österreich-Beitritt zur EU am 1. Jänner 1995.
Die über 100 Jahre bestehende Kontinuität des Unternehmens, das spezifische Know-how, der Fleiß und nicht zuletzt das Verständnis für die Funktion des internationalen Handelsagenten führen zur Anerkennung der Kunden in Österreich, der Schweiz, Deutschland, Tschechien, der Slowakei, Ungarn, Slowenien und Kroatien. Kein Wunder, dass Erzeuger aus den verschiedensten Ländern den Vertrieb ihrer Produkte vertrauensvoll in die Hände der Karl List & Co. KG legen. Sie können das beruhigt tun, da sich bereits die nächste Generation der Familie Rupprecht auf kommende Aufgaben vorbereitet.
